Bulgarien stärkt Schutz für Journalisten: Gesetz gegen Einschüchterungsklagen beschlossen
Das bulgarische Parlament hat neue Regelungen verabschiedet, um Journalistinnen, Journalisten, Aktivisten und weitere Betroffene besser vor sogenannten SLAPP-Klagen zu schützen. Als SLAPP-Klagen gelten Gerichtsverfahren, die laut Experten vor allem darauf abzielen, Kritiker einzuschüchtern oder sie finanziell stark zu belasten. Die bulgarische Gesetzesverschärfung geht in zentralen Punkten über die Mindestanforderungen der EU hinaus.
Was sind SLAPP-Klagen?
Die Abkürzung SLAPP steht für Strategic Lawsuits Against Public Participation – also strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung. Gemeint sind Klagen gegen Personen oder Organisationen, die sich öffentlich zu Angelegenheiten von allgemeinem Interesse äußern.
Häufig geht es dabei um Vorwürfe wie Verleumdung oder Rufschädigung. Nach Angaben von Euronews stellen SLAPP-Klagen vor allem dann ein Problem dar, wenn Kläger deutlich größere finanzielle Ressourcen besitzen und so die andere Partei in ein langwieriges und teures Gerichtsverfahren zwingen können.
Solche Verfahren sind nicht zwangsläufig unbegründet. Ziel der neuen bulgarischen Regeln ist es vor allem, Gerichten bessere Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie legitime von missbräuchlichen Klagen unterscheiden können.
Bulgarien führt strengere Regelungen ein
Die Änderung des bulgarischen Zivilprozessgesetzes erlaubt Gerichten künftig, offensichtlich unbegründete Klagen bereits im frühen Verfahrensstadium abzuweisen.
Zudem sollen Gerichte schneller entscheiden und die Voraussetzungen für bestimmte Eilmaßnahmen, etwa die Pfändung von Vermögen der Beklagten, werden verschärft.
Die neuen Vorschriften gelten nicht nur für künftige Verfahren, sondern sollen teilweise auch auf laufende Prozesse angewendet werden, sofern diese noch nicht zur ersten Hauptverhandlung kamen.
Schutz gilt nicht nur für Journalisten
Obwohl SLAPP-Klagen häufig mit Medien in Verbindung gebracht werden, greift das neue Gesetz wesentlich weiter.
Auch Menschenrechtsaktivisten, zivilgesellschaftliche Organisationen, Whistleblower und andere Aktive in der öffentlichen Debatte werden ausdrücklich geschützt. Die EU-Richtlinie von 2024 zielte primär auf den Schutz vor grenzüberschreitenden Klagen ab.
Genau an diesem Punkt geht Bulgarien nun einen Schritt weiter: Die Schutzmechanismen sollen auch für rein nationale Zivil- und Handelssachen greifen.
Brüssel forderte geringeren Schutz
Die Europäische Union hat im Jahr 2024 eine Anti-SLAPP-Richtlinie verabschiedet. Die Mitgliedstaaten sollten diese bis Mai 2026 in nationales Recht umsetzen.
Im Juli leitete die Europäische Kommission ein Verfahren gegen 14 Staaten, darunter Bulgarien, wegen unzureichender oder verspäteter Umsetzung der Richtlinie ein.
Das bulgarische Justizministerium hatte zu diesem Zeitpunkt betont, dass die geplanten Änderungen über die Anforderungen der EU hinausgehen werden – unter anderem, indem sie den Schutz auch auf rein nationale Fälle ausdehnen.
Dutzende Verfahren an bulgarischen Gerichten
Nach Angaben des bulgarischen Juristen Alexandar Kašumov, zitiert von der Nachrichtenagentur AFP, gibt es an den Gerichten des Landes zahlreiche Verfahren, bei denen hohe Kosten und die Verfahrensdauer abschreckende Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit haben können. In Einzelfällen gehe es dabei um Summen von mehreren zehntausend bis hunderttausend Euro.
Wichtig sei jedoch die Unterscheidung zwischen der bloßen Existenz einer Klage und dem Nachweis, dass diese tatsächlich zum Zweck der Einschüchterung genutzt wird. Letztlich entscheiden die Gerichte im Einzelfall.
Pressefreiheit bleibt in Bulgarien ein sensibles Thema
Die Verabschiedung des Gesetzes erfolgt in einem Land, dessen Mediensituation seit Jahren kritisch beobachtet wird.
Reporter ohne Grenzen setzten Bulgarien im Pressefreiheits-Index 2026 auf den 71. Platz von 180 bewerteten Staaten und bezeichneten die dortige Pressefreiheit als fragil und instabil.
Die neue Gesetzgebung gilt daher als konkreter Fortschritt beim Schutz von Journalisten durch rechtliche Maßnahmen. Wie relevant die Neuerungen tatsächlich sind, wird sich anhand kommender Gerichtspraxis zeigen.
Auch in anderen europäischen Ländern stehen Schutzmechanismen für Medienschaffende vor missbräuchlichen Klagen im Fokus. In der Slowakei wurden zuletzt unter anderem Fälle diskutiert, bei denen Politiker und Vertreter öffentlicher Stellen mit den Medien in Rechtsstreit gerieten.
Gesetz soll auch wirtschaftliche Risiken verringern
Ein großes Problem von SLAPP-Verfahren ist, dass selbst erfolglose Klagen den Beklagten erhebliche Anwaltskosten und eine lange Unsicherheit auferlegen können.
Die neue bulgarische Regelung sieht daher Maßnahmen vor, um den wirtschaftlichen Druck auf die Beklagten zu begrenzen. In bestimmten Fällen können Beklagte eine Sicherheitsleistung für die erwarteten Anwaltskosten verlangen, zudem ist kostenlose anwaltliche Unterstützung möglich.
Ziel der Reform ist es jedoch nicht, gerichtlichen Schutz vor Rufschädigung grundsätzlich zu behindern, sondern zusätzliche prozessuale Sicherungsmechanismen einzuführen, wenn das Gerichtsverfahren missbraucht wird, um öffentlich agierende Personen unter Druck zu setzen.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.