Kreml führt AfD-Erfolg auf hohe Energiepreise zurück – Deutsche Wirtschaft schwächelt
Der Kreml hat auf den deutlichen Wahlerfolg der Alternative für Deutschland (AfD) in Mecklenburg-Vorpommern reagiert und erklärt, ein Teil der deutschen Wähler suche angesichts der wirtschaftlichen Lage nach einem neuen Weg. Sprecher Dmitri Peskow führt die Unzufriedenheit vor allem auf das Ende günstiger russischer Energieimporte und die gestiegenen Gaspreise zurück. Zugleich warnt die Deutsche Bundesbank davor, dass sich das Wirtschaftswachstum im Sommer verlangsamt hat und die Inflation weiter erhöht bleibt.
Dies ist jedoch die Interpretation des Kremls. Das Wahlergebnis wurde zudem von weiteren Themen wie Migration, steigenden Lebenshaltungskosten, innenpolitischen Konflikten sowie der zurückgehenden Unterstützung für Bundeskanzler Friedrich Merz beeinflusst.
Peskow: Deutschland hat den Zugang zu günstiger Energie verloren
Nach der Wahl erklärte der Kreml, die deutsche Wirtschaft leide unter der Unterbrechung der langjährigen Energiebeziehungen mit Russland.
Nach Ansicht von Peskow bildeten günstige russische Energierohstoffe lange Zeit eine der Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.
Nach starken Einschränkungen russischer Gaslieferungen musste Deutschland zunehmend auf alternative Energieträger wie verflüssigtes Erdgas umsteigen.
Moskau behauptet, diese Umstellung habe sowohl für deutsche Haushalte als auch für die Industrie die Kosten erhöht und damit zur stärkeren politischen Unzufriedenheit beigetragen.
Bundesbank bestätigt Abschwächung der Wirtschaft
In ihrer Bewertung im September stellte die Deutsche Bundesbank fest, dass das Wirtschaftswachstum im Sommer nachgelassen habe.
Negativ ausgewirkt haben sich demnach schwächere Exporte, eine gedämpfte Konsumlaune in den Privathaushalten und Probleme in bestimmten Industriesektoren.
Die Inflation lag im August bei etwa 2,9 Prozent, und die Bundesbank erwartet, dass sie in absehbarer Zeit erhöht bleiben wird.
Zu den Hauptrisiken zählen Energiepreise, niedrige Gasreserven und steigende Kraftstoffkosten.
Gaspreise in Europa steigen erneut
Die Energiesituation bleibt nicht nur in Deutschland ein Problem.
Europäische Gasspeicher sind für diese Jahreszeit deutlich schlechter gefüllt als üblich. Hinzu kommen gestiegene Energiepreise durch Spannungen im Nahen Osten und Befürchtungen weiterer Versorgungsengpässe.
Hohe Gaspreise stellen insbesondere für die energieintensive deutsche Industrie eine große Herausforderung dar.
Automobilhersteller, Chemieunternehmen, Metallindustrie und Baustoffproduzenten stehen bereits seit Jahren wegen hoher Kosten und schwächerer globaler Nachfrage unter Druck.
Der politische Druck auf Kanzler Friedrich Merz hat sich schon nach dem letzten Wahldebakel der CDU deutlich erhöht. Merz übernahm die Verantwortung, lehnte einen Rücktritt jedoch ab.
AfD gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern
Der Kreml äußerte sich unmittelbar nach der Landtagswahl, bei der die AfD den ersten Platz belegte.
Die CDU von Kanzler Merz erzielte dagegen ein historisch schlechtes Ergebnis und verpasste den Einzug ins Landesparlament.
Das Wahlergebnis erhöht weiter den Druck auf die Bundesregierung, die mit wirtschaftlicher Stagnation, hohen Energiepreisen und wachsender Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung konfrontiert ist.
Die AfD setzt sich seit Langem für die Wiederaufnahme der Wirtschafts- und Energiebeziehungen mit Russland ein und kritisiert die Sanktionen gegen Moskau.
Gespräche über russisches Gas werden diskutiert
Laut Medienberichten bereitet die AfD Kontakte zur russischen Seite vor, um eine mögliche Wiederaufnahme von Energieimporten aus Russland zu erörtern.
Im Raum steht ein mögliches Treffen der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla mit Kirill Dmitrijew, einem prominenten Wirtschaftsvertreter aus dem Umfeld von Wladimir Putin.
Solche Gespräche könnten jedoch für sich genommen keinen direkten Neustart der Gasimporte aus Russland nach Deutschland bewirken.
Die AfD ist nicht Teil der Bundesregierung, daher läge eine Änderung der Energiepolitik weiterhin an Entscheidungen Berlins, den europäischen Sanktionen, dem technischen Zustand der Infrastruktur sowie an der Sicherheitslage.
Nord Stream bleibt politisch sensibles Thema
Russisches Gas floss viele Jahre auch über die Nord-Stream-Pipelines durch die Ostsee nach Deutschland.
Nach der russischen Invasion in der Ukraine und den späteren Explosionen an den Pipelines im Jahr 2022 wurde der Betrieb nahezu vollständig eingestellt.
Ein Teil der deutschen Politik, darunter auch die AfD, unterstützt die Idee künftiger russischer Gaslieferungen.
Kritiker warnen jedoch, dass eine Rückkehr zur hohen Abhängigkeit von Russland neue strategische Risiken für die Sicherheit Deutschlands schaffen könnte.
Regierung Merz plant Entlastungen bei Energie- und Kraftstoffkosten
Die deutsche Regierung versucht derweil, die Auswirkungen der hohen Preise für die Bevölkerung abzufedern.
Das Kabinett plant ab Oktober eine Steuerermäßigung auf Benzin und Diesel, die die Preise für Kraftstoffe um rund 17 Cent pro Liter senken soll.
Zugleich gibt es innerhalb der Regierung weiter Streit darüber, ob Energieunternehmen eine Sondersteuer auf ihre gestiegenen Gewinne zahlen sollen.
MEHR DAZU
Die Regierung Merz verliert in den Umfragen. AfD liegt vorn und jeder siebte Deutsche erwägt Auswanderung.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt somit einer der wichtigsten Faktoren der innenpolitischen Debatte. Hohe Energiepreise, schwaches Wachstum und der Druck auf die Industrie sorgen für wachsende Unzufriedenheit bei den Wählern – wovon vor allem die Oppositionsparteien profitieren.
Der Kreml nutzt diese Entwicklung als Argument für eine Wiederaufnahme der Energiebeziehungen zu Russland. Letztlich aber entscheiden Berlin und die Europäische Union über den künftigen Kurs der deutschen Energiepolitik, nicht Moskau.
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.