Merz warnt Brüssel vor neuem Protektionismus: Asiatische Länder fürchten Handelsbarrieren
Der deutsche Kanzler Friedrich Merz will in Brüssel eine Debatte über die geplanten EU-Regeln zur Unterstützung der heimischen Industrie anstoßen. Während seiner Reise nach Japan, Singapur und Südkorea haben die Vertreter dieser Länder ihre Sorge geäußert, dass die Initiative „Made in Europe“ zu neuem europäischen Protektionismus führen könnte. Die EU strebt zwar eine Stärkung der eigenen Produktion und eine geringere Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten an, riskiert damit aber Verschlechterungen in den Handelsbeziehungen zu Partnern außerhalb der Union.
Merz erklärte am Freitag, dem 30. Oktober, die Bedenken der asiatischen Länder sehr ernst zu nehmen. Er wolle diese nicht nur in Berlin, sondern auch auf europäischer Ebene zur Sprache bringen. Laut dem Kanzler müsse Europa offen für internationalen Handel bleiben, um mit seinen Produkten auf asiatischen Märkten erfolgreich zu sein.
Asiatische Partner fürchten Abschottung des europäischen Marktes
Während seiner einwöchigen Asienreise besuchte Merz Japan, Singapur und Südkorea. In allen drei Ländern seien ihm ähnliche Einwände gegen die geplanten EU-Industrievorschriften begegnet.
Die wichtigste Sorge besteht darin, ob die vorgesehene Unterstützung für europäische Hersteller neue Hürden für Unternehmen aus Drittstaaten schaffen könnte. Wenn bei öffentlichen Aufträgen, Investitionen oder der Förderung strategischer Branchen europäische Anbieter bevorzugt würden, könnten ausländische Firmen wichtige Marktchancen verlieren.
Aus Sicht der asiatischen Partner könnte eine solche Vorgehensweise zwar der EU-Industrie helfen, aber gleichzeitig die Offenheit des Handels schwächen. Davon wären letztlich auch europäische Unternehmen betroffen, die auf Export und Zugang zu Auslandsmärkten angewiesen sind.
Merz betonte, dass ihm diese Bedenken mit Nachdruck vorgetragen wurden. Er versprach, sie in die laufende Debatte in Brüssel einzubringen.
Was steckt hinter der Initiative „Made in Europe“?
Zentraler Streitpunkt ist der geplante „Industrial Accelerator Act“ – eine geplante EU-Verordnung zur beschleunigten Entwicklung industrieller Kapazitäten und zur Dekarbonisierung. Sie soll die industrielle Basis der Union stärken und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen am europäischen Markt schaffen.
Herzstück der Strategie ist eine stärkere Unterstützung europäischer Produktion sowie die stärkere Einbindung regionaler Zulieferer. Brüssel möchte, dass zentrale Industriezweige weniger abhängig von Importen aus Ländern sind, die im Falle von Handels- oder geopolitischen Konflikten Lieferungen einschränken könnten.
Die aktuelle Diskussion betrifft vor allem jene Industriesektoren, die für die wirtschaftliche Sicherheit und die technologische Zukunft der EU bedeutsam sind – etwa die Herstellung von Komponenten, Batterien, Materialien und weiteren für moderne Wirtschaftszweige wichtigen Produkten.
Befürworter eines solchen Kurses argumentieren, Europa müsse stärker in die eigene Produktion investieren, um sich weniger verwundbar für Krisen und Handelskonflikte zu machen.
Kritiker warnen jedoch, dass ein zu starkes Fördern heimischer Hersteller den Wettbewerb einschränken und neue Handelsbarrieren schaffen könnte.
Brüssel will Abhängigkeit von China senken
Ein Hauptmotiv der EU, die eigene Industrie zu stärken, ist die Abhängigkeit von China. Das Land spielt eine herausragende Rolle in globalen Lieferketten und zählt in vielen Branchen zu den wichtigsten Produzenten.
Europäische Unternehmen sind bei diversen Rohstoffen, Komponenten und technologischen Produkten auf chinesische Zulieferungen angewiesen. Sollte es durch politische Streitigkeiten oder Handelsrestriktionen zu Störungen kommen, wären auch europäische Fabriken betroffen.
Aus diesem Grund setzt Brüssel auf die Reduzierung strategischer Abhängigkeiten und eine stärkere Förderung der Produktion im eigenen Wirtschaftsraum. Gleichzeitig will man der Konkurrenz aus Ländern begegnen, in denen Unternehmen durch niedrigere Energiekosten oder abweichende regulatorische Anforderungen Vorteile genießen.
Hier liegt der zentrale Zielkonflikt: Die EU will ihre Industrie schützen, ist aber zugleich eng mit dem Welthandel verflochten.
Deutschland fürchtet Handelshemmnisse besonders stark
Die Warnung von Merz ist auch vor dem Hintergrund der Exportstärke Deutschlands zu verstehen. Als eine der größten Exportnationen weltweit ist das Land auf offene Märkte angewiesen, insbesondere in Asien.
Japan, Südkorea und Singapur sind für die deutsche Industrie bedeutende Partner in den Bereichen Technologie und Investitionen. Eine Verschlechterung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und Asien würde auch deutsche Unternehmen treffen.
Zusätzlich steht die deutsche Wirtschaft unter starkem Wettbewerbsdruck, insbesondere durch chinesische Unternehmen. Schwache Nachfrage auf manchen Auslandsmärkten und die wachsende Konkurrenz setzen die Exportwirtschaft unter Druck.
Merz setzt daher auf einen Ansatz, der europäischen Firmen Wettbewerbskraft verschaffen und zugleich offene Handelsbeziehungen bewahren soll. Aus seiner Sicht können deutsche und andere europäische Produkte nur dann in Asien bestehen, wenn sich die EU nicht gegenüber internationalen Partnern abschottet.
Die Zusammenhänge zwischen europäischer Wettbewerbsfähigkeit und Schwierigkeiten in der Industrie werden auch in dem Artikel „Slovalco nimmt Aluminiumproduktion wieder auf. Fico spricht von Rückkehr der strategischen Industrie, die Opposition kritisiert die Hilfen“ beleuchtet.
Merz will engere Kooperation mittelgroßer Staaten
Auf seiner Asienreise sprach der Kanzler nicht nur über die kommende EU-Gesetzgebung. Er betonte auch die Notwendigkeit einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Ländern, die eine ähnliche Einstellung zum internationalen Handel und zur Sicherheit teilen.
Merz zufolge sollten mittelgroße Staaten ihre Interessen stärker abstimmen und bündeln, um ein Gegengewicht zur Wirtschafts- und Handelspolitik der größten Volkswirtschaften der Welt – insbesondere der USA und Chinas – zu schaffen.
Merz verwies auch auf die Veränderungen in der US-Außen- und Wirtschaftspolitik. Die Vereinigten Staaten definierten ihre Prioritäten neu – darauf müsse auch Europa reagieren.
Diese engere Kooperation betrifft nach Ansicht von Merz nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische und verteidigungspolitische Bereiche. Deutschland strebe daher eine Vertiefung der Beziehungen zu regionalen Partnern an.
Über die Stärkung der europäischen Wirtschaft und ihrer weltweiten Stellung diskutierten kürzlich auch die Staats- und Regierungschefs Mitteleuropas. Mehr dazu im Artikel „Fico, Babiš und Stocker einig: Die EU muss das Problem mangelnder Wettbewerbsfähigkeit angehen“.
Endgültige Entscheidungsfindung steht noch aus
Der Entwurf des Industrial Accelerator Act ist bislang nicht verabschiedet. Über den endgültigen Gesetzestext müssen sich die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament noch einigen. Eine Verabschiedung wird im nächsten Jahr erwartet.
Die kommenden Verhandlungen werden zeigen, inwieweit Brüssel bereit ist, die Einwände von Handelspartnern außerhalb Europas zu berücksichtigen. Die fertigen Regeln müssen eine Balance zwischen der Unterstützung europäischer Hersteller und fairer Konkurrenz schaffen.
Für die Europäische Union handelt es sich dabei um eine strategische Weichenstellung. Zu wenig Unterstützung des eigenen Industriezweigs würde die Abhängigkeit von externen Lieferanten vertiefen, zu viel Bevorzugung europäischer Firmen könnte dagegen zu Handelskonflikten führen und den Zugang europäischer Unternehmen zu Auslandsmärkten erschweren.
Merz steht somit in Brüssel vor der Aufgabe, nicht nur deutsche Interessen, sondern die grundsätzliche Frage zu vertreten, wie Europas Wirtschaft auch künftig im globalen Wettbewerb bestehen kann, ohne die Vorteile eines offenen internationalen Handels zu verlieren.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.