Ungarn hebt Veto auf: Weg für weitere EU-Beitrittsgespräche mit Ukraine frei
Ungarn hat sein monatelanges Veto zurückgezogen und damit den Weg für einen weiteren Schritt der Ukraine und der Republik Moldau im EU-Beitrittsprozess eröffnet. Die EU-Botschafter der Mitgliedstaaten in Brüssel haben am Mittwoch die Öffnung zusätzlicher Verhandlungskapitel, insbesondere zu Binnenmarkt und Wettbewerbsfähigkeit, unterstützt.
Bis vor Kurzem blockierte die ungarische Regierung die Freigabe neuer Verhandlungscluster. Budapest machte den weiteren Fortschritt von Änderungen in der ukrainischen Gesetzgebung zum Schutz nationaler Minderheiten abhängig.
Ungarn blockierte das Voranschreiten
Seit dem Sommer verhinderte Ungarn die Öffnung von zwei neuen Verhandlungsclustern. Budapest stellte die Bedingung, dass die Ukraine gesetzliche Maßnahmen ergreift, um die Rechte nationaler Minderheiten – insbesondere im Bildungsbereich – zu stärken.
Ein entscheidender Punkt in der Einigung ist daher die bevorstehende Abstimmung im ukrainischen Parlament. Die Abgeordneten sollen am Montag über eine Ausweitung der Sprachrechte von Minderheiten im Bildungswesen entscheiden.
Im Gebiet Karpatenukraine lebt eine bedeutende ungarische Minderheit. Die ungarische Regierung betont seit Langem, dass die Rechte dieser Gemeinschaft beim Annäherungsprozess der Ukraine an die EU ausreichend geschützt werden müssen.
Die Regierung in Budapest hat nun ihren Widerspruch gegen die Öffnung weiterer Verhandlungsbereiche zurückgezogen. Der formale Prozess muss jedoch noch auf Ebene der Mitgliedstaaten abgeschlossen werden.
Nächster Schritt beim ukrainischen Parlament
Die Entscheidung Budapests ist an einen weiteren Schritt in der Ukraine geknüpft.
Sollte das ukrainische Parlament die geplanten Änderungen im Minderheitenrecht billigen, könnte der formale Start der nächsten Verhandlungsphase erfolgen.
Europäische Diplomaten gehen davon aus, dass bereits beim Treffen der EU-Minister in Luxemburg in der kommenden Woche eine politische Entscheidung fallen könnte.
Es handelt sich dabei allerdings noch nicht um einen Beitritt der Ukraine zur EU. Die Öffnung weiterer Verhandlungscluster ist lediglich ein weiterer Schritt im langfristigen Beitrittsprozess.
Ukraine hat erste Kapitel bereits eröffnet
Die EU-Beitrittsgespräche mit der Ukraine wurden im Juni 2024 formell begonnen.
Im Jahr 2026 gelangte das Verfahren in eine konkretere Phase. Im Juni starteten die Gespräche über das erste Cluster „Grundlagen“, das Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte, die Funktionsweise demokratischer Institutionen und Verwaltungsreformen umfasst.
Im Juli folgte der Cluster „Äußere Beziehungen“, der etwa Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik beinhaltet.
Mit der Öffnung der beiden zusätzlichen Cluster würde die Ukraine noch tiefer in den Verhandlungsprozess einsteigen.
Aktualizovane.sk hatte bereits über den Fortschritt der Ukraine auf ihrem europäischen Weg und das weitere geöffnete Verhandlungskapitel berichtet.
Was sind Verhandlungscluster?
Die Beitrittsgespräche mit der EU sind in thematische Blöcke gegliedert, die jeweils mehrere Verhandlungskapitel bündeln.
Das Bewerberland muss nach und nach seine Gesetzgebung, Institutionen und Vorschriften an die Vorgaben der Union angleichen – von Verwaltung und Justiz über Wirtschaft bis zu Landwirtschaft, Umweltschutz oder Außenpolitik.
Die Öffnung eines Clusters bedeutet daher nicht, dass der betreffende Bereich bereits abgeschlossen ist. Es folgen weitere Verhandlungen, das Erfüllen von Auflagen und das schrittweise Schließen einzelner Kapitel.
Ungarns Veto bremste den Prozess
Die Entscheidung Ungarns ist auch deshalb bedeutsam, weil zentrale Schritte im Beitrittsverfahren die einstimmige Zustimmung aller Mitgliedstaaten voraussetzen.
Ungarn konnte durch seinen Widerstand den weiteren Ablauf verzögern. Die neue Regierung von Premier Péter Magyar signalisierte allerdings in den vergangenen Tagen Kompromissbereitschaft.
Eine Voraussetzung bleibt die ukrainische Gesetzgebung zum Minderheitenschutz. Budapest erhält durch das Einlenken die Möglichkeit, Forderungen zum Schutz der ungarischen Minderheit in der Ukraine einzubringen.
Ukrainische EU-Mitgliedschaft bleibt fern
Trotz des aktuellen Fortschritts bleibt ein möglicher EU-Beitritt der Ukraine ein langwieriger Prozess.
Die Ukraine muss zahlreiche Bedingungen erfüllen, Reformen umsetzen und ihre Gesetzgebung an das EU-Recht anpassen. Über die Mitgliedschaft wird erst nach Erfüllung der Kriterien und Abschluss der Gespräche entschieden.
Zudem betont die EU, dass das Erweiterungsverfahren ergebnisorientiert ist. Der Kandidatenstatus und die Öffnung von Verhandlungskapiteln bedeuten daher nicht automatisch einen späteren Beitritt.
Der weitere Verlauf wird zudem davon abhängen, ob die Ukraine auch im Krieg in der Lage ist, Reformen umzusetzen und die jeweiligen Anforderungen zu erfüllen. Brüssel verknüpft weitere Unterstützung ebenfalls mit dem Fortgang der Reformen.
Die nächsten Tage sind entscheidend
Ein entscheidender Moment wird die Abstimmung des ukrainischen Parlaments über die Rechte nationaler Minderheiten sein.
Werden diese gesetzlichen Änderungen beschlossen, kann ein weiterer formeller Schritt im Beitrittsprozess erfolgen. Die EU wäre damit bereit, zusätzliche Verhandlungskapitel mit der Ukraine und Moldau zu eröffnen.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen zudem, dass der Weg der Ukraine in die EU nicht nur von Reformen in Kiew abhängt. Auch die Einigungen und Forderungen der Mitgliedstaaten bleiben ein wichtiger Faktor.
Nach monatelanger Blockade hat die Ukraine somit wieder neue Möglichkeiten für weitere Verhandlungen erhalten. Dennoch stehen weitere Bedingungen und Gesprächsrunden bevor.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.