Deutsche Linke plant Enteignung von 160.000 Wohnungen – Wer trägt die Kosten?

BERLIN – Die deutsche Partei Die Linke treibt ein Vorhaben voran, das die Besitzverhältnisse auf dem Berliner Wohnungsmarkt grundlegend verändern könnte. Rund 160.000 Wohnungen sollen von großen, privaten Wohnungsunternehmen übernommen werden. Die Entschädigung der bisherigen Eigentümer wird dabei auf bis zu 16 Milliarden Euro geschätzt. Parteichefin Ines Schwerdtner schlägt vor, die Übernahme über Kredite zu finanzieren, die durch die Mietzahlungen getilgt werden. Kritiker befürchten jedoch, dass am Ende vor allem die Mieter die Kosten tragen könnten.
Die Debatte hat sich nach den vorläufigen Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Die Linke in Berlin deutlich zugespitzt.
Wie die „Bild“ berichtet, äußerte sich Schwerdtner am 19. Oktober 2026 zum Finanzierungsmodell. Der Plan sieht vor, dass die Stadt den Wohnungsbestand übernimmt und die Kaufkosten schrittweise mit den Mieteinnahmen begleicht.
Allerdings ist nicht bestätigt, dass die Mieten automatisch steigen müssten. Gerade an dieser Frage entzündet sich der zentrale Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Vorschlags.
Berlin will Wohnungen großer Immobilienkonzerne übernehmen
Kern des Plans ist es, einen Teil des privaten Wohnungsbestands in gesellschaftliches beziehungsweise öffentliches Eigentum zu überführen.
Laut Angaben aus den Koalitionsgesprächen soll die Maßnahme Unternehmen betreffen, die mehr als 10.000 Wohnungen besitzen.
SPD, Grüne und Die Linke haben sich in einem vorläufigen Papier vom 19. Oktober darauf verständigt, eine solche Änderung anzustreben.
Das bedeutet jedoch noch nicht, dass die Enteignung schon rechtlich beschlossen oder umgesetzt ist.
Ein möglicher Vollzug erfordert noch zahlreiche politische, finanzielle und rechtliche Vorkehrungen.
Das Thema Wohnraum war bereits ein zentrales Thema bei den letzten Berliner Wahlen. Aktualizovane.sk hatte berichtet, dass Die Linke mit dem Thema steigende Wohnkosten 25,7 Prozent der Stimmen erzielen konnte.
Wie will Die Linke die 16 Milliarden Euro aufbringen?
Die entscheidende Frage ist die Finanzierung dieser umfangreichen Maßnahme.
Nach Schwerdtners Vorstellung müsste das Land die Entschädigung nicht direkt aus dem laufenden Haushalt bezahlen.
Stattdessen sollen die benötigten Gelder über Kredite aufgenommen werden.
Die Rückzahlung dieser Kredite soll dann aus den Mieteinnahmen erfolgen, die die zukünftige öffentliche Eigentümerin erzielen würde.
Schwerdtner spricht von einem „haushaltsneutralen“ Modell. Sie betont, dass die Milliarden-Belastung ohne drastische Mietsteigerungen tragbar sei.
Garantiert ist dieses Ziel jedoch nicht.
Vieles hängt vom letztlichen Kaufpreis, den Zinsen, den laufenden Kosten und den tatsächlich erzielten Einnahmen aus den Mieten ab.
Modellrechnung: Miete könnte bis auf 11,60 Euro steigen
Laut „Bild“ verweist eine Analyse des Magazins Cicero darauf, dass allein die Kreditzinsen große Finanzierungslücken verursachen könnten.
Bei einem Kredit über 16 Milliarden Euro und einem Zinssatz von vier Prozent fielen jährlich rund 640 Millionen Euro an Zinskosten an.
Steigen die Zinsen auf fünf Prozent, erhöht sich der Betrag auf 800 Millionen Euro jährlich.
In diesen Summen sind weder die Verwaltung der Wohnungen noch Sanierungen oder Modernisierungen berücksichtigt.
Die von „Bild“ zitierte Modellrechnung geht unter diesen Annahmen davon aus, dass die durchschnittliche Kaltmiete von derzeit rund acht Euro auf etwa 10,40 bis 11,60 Euro pro Quadratmeter steigen müsste.
Es handelt sich allerdings um eine theoretische Kalkulation, nicht um eine angekündigte Mieterhöhung. Die tatsächliche Entwicklung hängt von den endgültigen Finanzierungsbedingungen und gesetzlichen Obergrenzen ab.
Schwerdtner: Es gibt auch günstigere Modelle
Die Vorsitzende der Linken verweist auf eine andere ökonomische Einschätzung.
Sie beruft sich auf eine Studie, die mit der Hans-Böckler-Stiftung verbunden ist. Diese geht von Kosten in Höhe von etwa 13,5 Milliarden Euro für die Übernahme von 210.000 Wohnungen aus.
Laut dieser Analyse könnte die Finanzierung so gestaltet werden, dass der Berliner Haushalt nicht zusätzlich belastet wird.
Die Tilgung der Kredite und Zinsen würde sich jedoch etwa 40 Jahre hinziehen.
Die Unterschiede zwischen den Modellen sind erheblich.
Jede Studie rechnet mit anderen Annahmen zu Wohnungszahl, Entschädigung und Kostenmodell.
Erst wenn die endgültigen Bedingungen bekannt sind, lässt sich abschließend beurteilen, ob der Plan für Mieter finanziell vorteilhaft ist.
Kritik: Mit 16 Milliarden könnten tausende neue Wohnungen gebaut werden
Gegner des Enteignungsplans verweisen auf einen weiteren Aspekt: Die Übernahme bestehender Wohnungen erhöht die Zahl der verfügbaren Wohnungen in Berlin nicht.
Der Verband der Wohnungsunternehmen Berlin-Brandenburg schätzt laut „Bild“, dass mit 16 Milliarden Euro auf städtischen Grundstücken rund 78.000 neue Wohnungen gebaut werden könnten.
Dieser Wert basiert auf den durchschnittlichen Baukosten und berücksichtigt nicht sämtliche Projektausgaben.
Befürworter des öffentlichen Eigentums betonen dagegen, das Ziel sei nicht nur Neubau, sondern vor allem, die Mietpreise langfristig zu steuern und den Druck privater Eigentümer einzudämmen.
Schwerdtner hatte bereits im August öffentlich betont, eine gleichzeitige Förderung des sozialen Wohnungsbaus wie auch die Übernahme großer privater Wohnungsbestände zu wollen.
Darf Berlin private Wohnungskonzerne überhaupt enteignen?
Das deutsche Recht erlaubt Eingriffe ins Eigentum in bestimmten Fällen, verlangt aber eine gesetzliche Grundlage sowie eine Regelung der Entschädigung.
Bei der geplanten öffentlichen Übernahme ist vor allem die Frage der angemessenen Entschädigung umstritten.
Schwerdtner ist der Meinung, dass die Stadt die volle Marktwertentschädigung nicht zwingend leisten müsse.
Kritiker dieses Ansatzes verweisen darauf, dass die Eigentümer dann gerichtlich gegen die Maßnahme vorgehen könnten.
Auch die Vorsitzende von Die Linke räumt ein, dass am Ende die Gerichte über die Zulässigkeit solcher Eingriffe entscheiden werden.
Wie viel die Übernahme letztlich kosten würde, ist somit noch völlig offen.
Wohnungsstreit könnte Berlins Zukunft bestimmen
Die Berliner Wohnungspolitik ist nach der Wahl im September das dominierende Thema für die neue Stadtregierung.
Während Die Linke weitreichende Änderungen anstrebt, müssen die anderen Koalitionspartner die finanziellen und rechtlichen Konsequenzen prüfen.
Entscheidend wird sein, ob sich die Koalition auf ein konkretes Gesetz, das Finanzierungskonzept und den Mieterschutz einigen kann.
Das Ergebnis hat auch Konsequenzen für die bundesweite Debatte. Aktualizovane.sk hatte über die gemeinsamen politischen Prioritäten von Kanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Zusammenhang mit Berlin berichtet.
Müssen am Ende die Mieter für die Enteignung zahlen?
Nach dem vorgestellten Modell sind die Einnahmen aus den Mieten ein zentraler Baustein für die Tilgung der Kredite zur Entschädigung der Eigentümer.
Das würde bedeuten, dass die Mieter im Rahmen ihrer Zahlungen das Finanzierungsmodell mittragen.
Dies heißt jedoch nicht, dass bereits ein Zuschlag oder eine verpflichtende Mieterhöhung beschlossen wäre.
Der entscheidende Unterschied ist, ob die gegenwärtigen Einnahmen ausreichen oder ob sie erhöht werden müssen.
Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob der Plan für die Berliner Bevölkerung eine Entlastung bringt – oder neue finanzielle Risiken.
Quellen: Bild, Cicero, B.Z., Äußerungen von Ines Schwerdtner. Bild: KI-Illustration
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.