Pál Sonnevend ist neuer Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts
Das ungarische Verfassungsgericht hat einen neuen Präsidenten. Das Plenum wählte am Montag, dem 2. November 2026, in geheimer Abstimmung den Juristen und Universitätsprofessor Pál Sonnevend an die Spitze des Gerichts. Sonnevend trat das Amt unmittelbar nach der Wahl an, seine Amtszeit ist auf drei Jahre festgelegt. Zu seinen wichtigsten Prioritäten erklärte er die Wiederherstellung des Vertrauens in die Verfassungsgerichtsbarkeit, die Stärkung des inneren Zusammenhalts des Gerichts und die Verbesserung der Beziehungen zu europäischen Partnerinstitutionen.
Der Führungswechsel folgt auf umfassende verfassungsrechtliche und organisatorische Anpassungen, die von der neuen parlamentarischen Mehrheit durchgesetzt wurden. Auch politisch ist Sonnevends Wahl nicht unumstritten. Die Oppositionspartei Fidesz stellt die Rechtmäßigkeit seiner Wahl zum Verfassungsrichter in Frage und erkennt daher auch seine anschließende Wahl zum Präsidenten des Gerichts nicht als legitim an.
Pál Sonnevend übernimmt das Amt sofort
Das Plenum des ungarischen Verfassungsgerichts entschied in geheimer Abstimmung über die neue Präsidentschaft. Laut offizieller Mitteilung des Gerichts trat Sonnevend direkt nach seiner Wahl das Amt an. Die Amtsdauer beträgt drei Jahre.
In seiner Vorstellung zur Leitung des Gerichts skizzierte Sonnevend drei Hauptziele: Die erste Priorität ist das Wiederherstellen des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Arbeit des Verfassungsgerichts. Zweitens soll die Zusammenarbeit und der innere Zusammenhalt unter den Richtern gestärkt werden. Drittens will er die Beziehungen zu anderen europäischen Verfassungsinstitutionen deutlich intensivieren.
Das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz ist in Ungarn seit Jahren ein kontroverses Thema. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Konflikte mit europäischen Institutionen über den Zustand des Rechtsstaats, die Funktionsweise der Gerichte und politischen Einfluss auf staatliche Organe.
Der neue Präsident übernimmt das Gericht somit in einer Phase mit nicht nur personellen Veränderungen, sondern auch mit erheblichen politischen Erwartungen.
Jurist mit Erfahrung in Wissenschaft und Staatsführung
Pál Sonnevend zählt zu den Juristen mit langjähriger Erfahrung im Verfassungs-, internationalen und europäischen öffentlichen Recht.
1995 schloss er sein Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Loránd-Eötvös-Universität (ELTE) in Budapest ab. Seine Promotion erwarb er an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Deutschland.
Seit 2017 ist Sonnevend Professor an der ELTE und leitet dort den Lehrstuhl für Internationales und Europäisches Öffentliches Recht. Von 2019 bis 2025 war er Dekan der Juristischen Fakultät.
Er bringt zudem umfassende Erfahrung aus höchsten staatlichen Institutionen mit: Von 1997 bis 2000 war er Berater des damaligen Präsidenten des ungarischen Verfassungsgerichts, László Sólyom. Später arbeitete er im Präsidialamt der Republik, wo er den Präsidenten Ferenc Mádl und László Sólyom in verfassungsrechtlichen Fragen beriet und die Abteilung für Verfassungsrecht leitete.
Seine berufliche Laufbahn verbindet somit wissenschaftliche Arbeit, Verfassungsrecht und praktische Tätigkeiten in staatlichen Institutionen.
Fidesz bezweifelt die Legitimität seiner Wahl
Die Berufung Sonnevends an die Spitze des Gerichts ist von politischen Auseinandersetzungen begleitet. Das Parlament wählte ihn Ende Juli 2026 als Kandidaten der Partei TISZA, geführt von Péter Magyar, zum Verfassungsrichter.
Für Sonnevend stimmten 138 Abgeordnete, sechs Parlamentarier lehnten ab.
Die Oppositionspartei Fidesz übte jedoch scharfe Kritik: „Sonnevend wurde nicht auf rechtmäßige Weise zum Verfassungsrichter gewählt, deshalb erkennen wir auch seinen Vorsitz im Gericht nicht als legitim an“, erklärten Vertreter der Partei.
Diese Vorbehalte sind Teil eines umfassenden politischen Konflikts zwischen der neuen Regierungspartei TISZA und der früheren Regierungspartei Fidesz. Die Kontroverse betrifft nicht nur die Person Sonnevends, sondern auch die umfassenden Veränderungen in staatlichen Institutionen, die die neue Parlamentsmehrheit nach ihrem Wahlsieg einleitet.
Das politische Spannungsfeld um den Umbau ungarischer Institutionen war auch Thema unseres Artikels „Ungarn in der Verfassungskrise: Parlament entlässt Präsidenten, Orbán warnt vor gefährlichem Präzedenzfall“.
Verfassungsreform verändert das Gericht nachhaltig
Die Wahl des neuen Präsidenten ist Teil weitergehender Neuerungen durch die 17. Novelle der ungarischen Verfassung. Diese wurde im Juli 2026 vom Parlament verabschiedet und wirkt sich ebenso auf das Verfassungsgericht aus.
Die Novelle führte erneut eine Altersgrenze von 70 Jahren für Verfassungsrichter ein, legt die Amtszeit künftig auf neun Jahre fest und gibt dem Plenum des Gerichts das Recht zurück, den Präsidenten eigenständig zu wählen.
Insbesondere Letzteres ist für das Verständnis der aktuellen Personalentscheidung wichtig: Nach den neuen Regeln wählen die Richter ihren Präsidenten selbst – kein anderes Gremium trifft diese Entscheidung.
Aufgrund der Altersgrenze endete die Amtszeit mehrerer Richter. So lief das Mandat des bisherigen Präsidenten Péter Polt und dreier weiterer Richter, die das 70. Lebensjahr erreichten, am 1. September 2026 aus.
Vorübergehend übte Vizepräsidentin Ágnes Czine die Leitung des Gerichts aus. Ihre kommissarische Amtszeit sollte bis Mitte November andauern, was die Wahl eines neuen Präsidenten zu einem entscheidenden Schritt zur Stabilisierung der Institution machte.
Über die umfassenden Reformen nach dem Regierungswechsel berichteten wir auch im Artikel „Ungarn schreibt nach Regierungswechsel die Regeln um: Magyar reformiert die Institutionen, Orbán mobilisiert seine Anhänger“.
Magyars Regierung setzt Umbau der Institutionen nach Orbán-Ära fort
Die Wahl Sonnevends ist ein weiteres Element in der umfassenden Transformation des politischen und institutionellen Systems Ungarns. Nach dem Wahlsieg der Partei TISZA im April 2026 begann das neue Kabinett unter Péter Magyar, die Arbeitsweise staatlicher Organe grundlegend zu erneuern.
Die Reformen betreffen die Justiz, das Präsidentenamt und weitere Institutionen, deren Führung in der Vergangenheit unmittelbar mit der Regierungszeit Viktor Orbáns verbunden war. Die neue Regierung betont, dass ihr Ziel darin besteht, Kontrollmechanismen zu stärken, das Vertrauen in den Staat wiederherzustellen und die Funktionsweise des Rechtsstaats zu verbessern.
Die Opposition hingegen warnt vor der Gefahr, dass der rasche Personal- und Gesetzeswandel zu neuen politischen Eingriffen in die Unabhängigkeit der Institutionen führen könnte.
Zur aktuellen Diskussion zählt auch die Unabhängigkeit der höchsten Gerichtsinstitutionen. Für Spannungen sorgten beispielsweise Auseinandersetzungen um die Leitung des Obersten Gerichtshofs und seinen Vorsitzenden. Mehr zu diesem Thema bietet unser Artikel: „Magyar fordert Rücktritt des Präsidenten des Obersten Gerichtshofs – angeblich heimlicher Bau eines Luxusapartments. Das Gericht wies die Vorwürfe zurück.“
Vor dem neuen Präsidenten liegen große Herausforderungen
Pál Sonnevend tritt das Amt des Präsidenten mit dem erklärten Ziel an, das Vertrauen der Bevölkerung zu festigen und die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern auszubauen. Um diese Ziele zu erreichen, reicht jedoch der personelle Wechsel allein nicht aus.
Es wird entscheidend sein, wie das Gericht künftig in sensiblen verfassungsrechtlichen Streitigkeiten entscheidet, ob die Unabhängigkeit gegenüber politischen Interessen gewahrt bleibt und wie das Gericht seine Entscheidungen der Öffentlichkeit vermittelt.
Eine wichtige Rolle spielt zudem das Verhältnis zwischen der neuen Gerichtsleitung und den politischen Entscheidungsträgern, die unterschiedliche Auffassungen zur Legitimität der jüngsten Veränderungen vertreten.
Die Wahl Sonnevends bedeutet somit nicht nur eine personelle Erneuerung, sondern markiert auch eine weitere Etappe im Umbau der ungarischen Verfassungsinstitutionen. Ob es gelingt, das Vertrauen in die Justiz tatsächlich wiederherzustellen, wird erst die Arbeit der kommenden drei Jahre zeigen.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI aus der slowakischen Originalfassung übersetzt.